Arbeitslosengeld während der Selbständigkeit beziehen

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Wenn man aus abhängiger Beschäftigung in die Selbständigkeit wechselt, verschenken viele Existenzgründer eine Menge Geld, weil ihnen nicht klar ist, dass man auch als Selbständiger Arbeitslosengeld beziehen kann.

Gründungszuschuss oder ALG

Die meisten Neu- Selbständigen werden schon mal was von dem Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit gehört haben. Auf diesen hat man allerdings keinen Anspruch; vielmehr handelt es sich um eine Ermessensleistung. Hat der Arbeitsvermittler also den Eindruck, dass er dich mit deinen Qualifikationen ohne Probleme in ein neues Arbeitsverhältnis vermitteln kann, wird er dir keinen Gründungszuschuss bewilligen. Es gilt der so genannte Vermittlungsvorrang.

Sind die Vermittlungschancen gering, besteht zwar theoretisch die Chance, den Gründungszuschuss bewilligt zu bekommen, doch die Hürden und der Aufwand sind hoch: Businessplan, Finanzplanung, Rentabilitätsvorschau, Marktanalyse- und das alles von einem Gutachter (z.B. der IHK) für gut befunden… viel Glück…!

Und die Leistungen, die man dann von der Bundesagentur für Arbeit erwarten kann, sind oft geringer als das Arbeitslosengeld- abhängig von der Höhe und der Dauer des Leistungsanspruchs.

Die Alternative: Arbeitslosengeld beziehen während der Selbständigkeit

Was viele nicht wissen: Auch während der Selbständigkeit kann man Arbeitslosengeld beziehen, wenn man sich in sozialversicherungspflichtiger Vorbeschäftigung entsprechenden Anspruch erworben hat.

Maßgeblich für den Bezug von Arbeitslosengeld ist die Frage der Beschäftigungslosigkeit. Wendet man für seine Selbständigkeit weniger als 15 Stunden in der Woche auf,  ist man faktisch arbeitlos und kann aus versicherten Vorbeschäftigungszeiten einen Antrag auf Arbeitslosengeld stellen.

15 Stunden in der Woche kann gerade zu Beginn der Selbständigkeit je nach Tätigkeit eine Menge sein und viele Selbständige bleiben aus Mangel an Aufträgen zunächst unter dieser Zeit. Auch bei einer selbständigen Tätigkeit mit saisonalen Schwankungen wird es Zeiten geben, in denen man unter 15 Stunden in der Woche bleibt.

Wenn das der Fall ist, steht man- zumindest theoretisch- dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, was die Hauptvoraussetzung für den Bezug von Arbeitslosengeld ist. Ist man zu lange arbeitslos, wird der Arbeitsvermittler natürlich Bewerbungen erwarten und versuchen, einen in eine Arbeit zu vermitteln.

Dient die Arbeitslosmeldung aber nur zur Überbrückung von saisonalen Tiefs von zwei bis drei Monaten, stehen die Chancen nicht schlecht, dass man auch nicht vermittelt wird, was ja auch keinen Sinn macht, da man die Selbständigkeit ja weiterhin betreibt und daraus auch alsbald wieder Beschäftigung und Gewinn erzielen will.

Anrechnung von Nebenverdienst

Natürlich wird der durch die selbständige Tätigkeit erzielte Nebenverdienst auf das Arbeitslosengeld angerechnet. Man muss also bis zum 15. des Folgemonats eine Einnahmen- Überschuss- Rechnung für den Monat vorlegen.

Man hat als Selbständiger nun aber ein Stück weit selbst in der Hand, wie viel Gewinn man in einem Monat macht, indem man eben fällige Investitionen (Ware einkaufen, einen neuen Computer anschaffen) noch in diesem oder eben erst im nächsten Monat vornimmt. Wie jeder andere Arbeitslose hat man einen Freibetrag von 165 Euro. Gewinne oberhalb dieser Grenze würden auf das ALG angerechnet werden.

Die Sache mit der Rahmenfrist

Generell hat man Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn man in den vergangenen 24 Monaten mindestens 12 Monate Sozialversicherungsbeiträge gezahlt hat.

Man kann diese Rahmenfrist aber mit einem einfachen Arbeitslosengeldantrag unmittelbar nach Beendigung seiner Beschäftigung auf vier Jahre ausdehnen. Das bedeutet, dass man in den ersten drei Jahren seiner Selbständigkeit bei Bedarf (also Beschäftigung unter 15 Stunden/Woche) bis maximal 12 Monate Arbeitslosengeld beziehen kann. Das ist bei den meisten deutlich mehr Geld als der Gründungszuschuss der Bundesagentur im besten Fall ausmacht.

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