Denkzettel vom BGH für Ebay- Abbruchjäger

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Viele Verkäufer auf Ebay, gleich ob privat oder gewerblich, wissen oft gar nicht, auf welch dünnem Eis sie sich bewegen, wenn sie eine Auktion vorzeitig abbrechen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat so genannten Abbruchjägern jetzt erfreulicherweise einen Denkzettel verpasst.

Wer bei Ebay gelegentlich etwas im Auktionsformat einstellt, kennt das Problem wahrscheinlich: Man stellt etwas mit einem Startpreis von einem Euro ein, um das Angebot interessant zu machen und stellt nach ein paar Tagen erschreckt fest, dass die Bieter- Rallye nicht so richtig in Schwung kommen will.

Besonders ärgerlich ist das bei höherwertigen Artikeln wie Gebrauchtfahrzeugen o.ä. Ein paar ganz Pfiffige haben sich darauf spezialisiert, kreuz und quer über die Auktionsplattform verteilt niedrige Gebote für derlei Luxusartikel abzugeben; nicht weil sie echtes Interesse an dem Artikel haben sondern weil sie darauf spekulieren, dass der Anbieter die Auktion vorzeitig abbricht, wenn er merkt, dass er nicht den gewünschten Verkaufspreis wird erzielen können.

Was viele nicht wissen: Bricht man eine Auktion ohne wichtigen Grund ab, kann man gegenüber dem Höchstbietenden zum Schadensersatz verpflichtet sein- und das ist das wahre Ziel der so genannten Abbruchjäger bei Ebay.

Stelle ich also meinen gebrauchten BMW bei Ebay mit einem Startpreis von einem Euro ein und breche die Auktion wenige Stunden vor Auktionsende ab, weil das Angebot immer noch bei einem Euro steht, so hat der Bieter, der einen Euro geboten hat, möglicherweise Anspruch auf Herausgabe des BMW oder auf  Schadensersatz, wenn ich nicht bereit bin, ihm mein schönes Auto für einen Euro zu überlassen oder dies gar nicht mehr kann, weil ich es zwischenzeitlich anderweitig verkauft habe. Die bisherige Rechtsprechung hierzu war in den letzten Jahren ziemlich verkäuferunfreundlich.

Jetzt hat der BGH erfreulicherweise derartiges Vorgehen als rechtsmissbräuchlich eingestuft und die Klage eines Abbruchjägers auf Schadensersatz zurückgewiesen. Dieser scheint die Masche systematisch betrieben zu haben und hatte mit vielen verschiedenen Ebay- Accounts viele niedrige Gebote abgegeben; bei vorzeitig abgebrochenen Auktionen hatte er bereits mehrere Verkäufer auf Schadenersatz verklagt- teilweise erst nach mehreren Monaten, als er sicher sein konnte, dass der Artikel inzwischen anderweitig verkauft sein würde.

Leider hat es sich der BGH leicht gemacht und die Klage aus formalen Gründen abgewiesen, so dass es weiterhin keine exakten Kriterien gibt, wann Verkäufer eine Auktion mit Recht vorzeitig abbrechen dürfen und wann die Schadenersatzforderung nicht rechtsmissbräuchlich ist.

Ich verkaufe aus gutem Grund solche Luxusartikel nicht auf Ebay und schon gar nicht im Auktionsformat. Ich weiß aber von Verkäufern, die solchen rechtlichen Fallen aus dem Weg gehen, indem sie ihrerseits z.B. Freunde bitten, vermeintliche Abbruchjäger zu überbieten, um dann entweder gefahrlos die Auktion abbrechen zu können oder vielleicht doch noch einen Bieter- Wettbewerb zu entfachen. Raten würde ich zu solchen Praktiken nicht, denn auch das Vorgehen ist natürlich nicht ganz sauber.

Am sichersten fährt man, wenn man Artikel zu einem Preis einstellt, mit dem man am Ende auch leben kann.

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