Kleinunternehmer als Online- Versandhändler?

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Die Überlegung, sich zu Beginn einer Selbständigkeit nicht mit (Umsatz-) Steuerfragen rumärgern zu müssen, klingt verführerisch, ist aber für Online- Versandhändler ein schlechtes Geschäft.

Eigentlich klingt das gar nicht schlecht: Ich muss auf meine Umsätze keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen, darf dafür aber auch keine Umsatzsteuer aus Rechnungen, die ich bezahlt habe, als Vorsteuer bei der Umsatzsteuer- Voranmeldung geltend machen.

Wenn ich also einen Artikel für 10 Euro einkaufe, zahle ich dem Großhändler 1,90 Umsatzsteuer; verkaufe ich den Artikel für 20 Euro weiter, müsste ich davon 3,19 Euro als Umsatzsteuer an den Fiskus abführen. Ist also doch ein gutes Geschäft: Spare 3,19 Euro und bekomme dafür die 1,90 Euro nicht erstattet. Oder?

Gerade in der Anfangsphase hat man als Selbständiger aber eine Reihe von Ausgaben, die über den Einkauf von Ware hinausgehen. Man kauft sich einen neuen Computer, einen Laserdrucker für das Drucken von Versandetiketten, Kartonagen kosten Geld, auf das Porto zahlt man als Geschäftskunde eines Versanddienstleisters ebenfalls Umsatzsteuer. Gerade beim Aufbau eines Warenbestandes kauft man am Anfang natürlich mehr ein, als man abverkauft, so dass man mindestens im ersten Jahr oft mit einem Minus abschließt.

Was aber vor allem ins Gewicht fällt, ist die Tatsache, dass man als Online- Händler in der Regel auch auf de beiden großen Marktplätzen Ebay und Amazon verkauft. Diese Unternehmen sitzen- wie übrigens auch der Zahlungs- Dienstleister Paypal- steuerlich gesehen in Luxemburg.

Das führt dazu, dass man die Verkaufsprovisionen, die man an diese Unternehmen zahlt, als Leistungen eines im EU- Ausland ansässigen Unternehmens nach § 13 b des Umsatzsteuergesetzes in Deutschland versteuern muss. Die Nettorechnungen, die man von Ebay oder Amazon bekommt, müssen vom Leistungsempfänger, also dem Online- Händler, in Deutschland versteuert werden.

Das ist für umsatzsteuerpflichtige Unternehmer kein Problem, weil man diese Steuer als Vorsteuer im Gegenzug wieder geltend machen kann. Ein Nullsummenspiel also. Als Kleinunternehmer kann ich diese Vorsteuer aber nicht geltend machen, muss aber die Steuer auf die Verkaufsprovisionen zahlen. Da kommen bei Ebay, Amazon und Paypal schnell bis zu Tausend Euro im Jahr zusammen, die man als Kleinunternehmer mehr zahlt.

Man kann sich als Kleinunternehmer übrigens auch rückwirkend für das letzte Kalenderjahr noch der Umsatzsteuer unterwerfen; dies ist bis zur Erteilung eines rechtskräftigen Steuerbescheides möglich. So kann man sich in Ruhe ausrechnen, ob man im vergangenen Jahr nicht umsatzsteuerpflichtig besser gefahren wäre.

Der nachträgliche Verzicht auf den Status als Kleinunternehmer erklärt man in einem kurzen formlosen Schreiben an das zuständige Finanzamt.

3 responses on “Kleinunternehmer als Online- Versandhändler?

  1. Martina

    Guter Artikel!

    Nicht vergessen sollte man aber auch, dass praktisch kaum ein Hersteller bzw Großhändler an Gewerbetreibende liefert, ohne vorher die Umsatzsteuernummer abzufragen.
    Das heisst, dass man als Kleingewerbetreibender zwar keine Umsatzsteuer bei Kunden eintreiben muss, aber auch nicht günstig an die Waren kommt, die man weiterverkaufen möchte – oder sogar überhaupt nicht an die Waren kommt. Das gilt natürlich auch für Material, das man weiterverarbeiten will, um die Enderzeugnisse zu verkaufen.

    Übrigens gibt es viele Endkunden, die mit dem Begriff Kleingewerbe nicht viel anfangen können. Sie sehen auf der Rechnung, dass die MWSt fehlt und ein entsprechender Satz dabei steht, und wundern sich. Halten es eventuell sogar für etwas Illegales und vermeiden einen weiteren Einkauf bei diesem Händler. Und das ist kein Witz!

    Ich bin der Meinung, wer mit seinem Gewerbe Geld verdienen möchte und mehr darin sieht als nur Hobby und Zeitvertreib, sollte das mit dem Kleingewerbe von Anfang an vermeiden. Es klingt nicht nur “klein”, es ist es auch.

    1. kaiberke Post author

      Hallo Martina,
      danke für die Ergänzungen, denen ich nichts hinzuzufügen habe. Für den gewerblichen Handel ist die KU- Regelung unbrauchbar. Bei Dienstleistern mag das möglicherweise anders aussehen, wobei dein Hinweis auf die Verwirrung über fehlende MwSt auf der Rechnung für diese Gruppe natürlich ebenso gilt.

      1. EKE

        Hallo Martina,

        auch als Kleingewerbetreibender kann man eine Umsatzsteuernummer beantragen. Ich zum beispiel bin so ein Kleingewerbetreibender mit einer Umsatzsteuernummer .

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